Substrate-Karnivoren

Karnivoren benötigen spezielle Substrate

Bildquelle: Moorlandschaft / Pixabay / Lizenz: CC0 Public Domain / User: cocoparisienne / Anja Osenberg
Bildquelle: Moorlandschaft / Pixabay / Lizenz: CC0 Public Domain / User: cocoparisienne / Anja Osenberg

Spätestens wenn man sich die ersten Karnivoren zulegt, kommt man an den Punkt, wo man sich viele Gedanken über die entsprechenden Substrate für seine Schützlinge machen sollte. In welchem Substrat wachsen eigentlich Karnivoren. Gerade bei der Wahl des geeigneten Substrates für die bestimmten Arten und Gattungen der Karnivoren, hört man ja oftmals recht verschiedene abweichende Meinungen. Auf dieser Seite will ich daher einmal ganz kurz auf die verschiedenen Substrate eingehen die für Karnivoren verwendbar sind und auch fast bei allen Karnivoren-Freunden Verwendung finden. Besonders wichtig bei den Substraten ist vor allem der hohe Anteil an Weißtorf. Erst durch dieses immer seltener werdende kostbare, in den Mooren abgebaute Naturprodukt, enthält das Substrat für die Karnivoren die maßgebliche und notwendige Beschaffenheit, damit die Karnivoren überhaupt gehalten und gepflegt werden können. Der Weißtorf wird aus den oberen Schichten des Moores gewonnen, wo sich die Pflanzenreste noch nicht vollständig zersetzt haben. Der Weißtorf lässt daher die Struktur der Pflanzen noch deutlich erkennen.

 

Substrate & Inhaltsstoffe

Karnivoren-Spezialerde

 

Die gebräuchlichste Karnivorenerde findet man oft in Baumärkten oder Gärtnereien, die ein etwas größeres Angebot an fleischfressenden Pflanzen in ihrem Sortiment haben. Das Substrat enthält im Wesentlichen meistens ein Gemisch aus wenig und mäßig zersetztem Hochmoortorf (H2-H5), Rinde 5%, Perlite 5% und Quarzsand. Das Gemisch liegt ungefähr bei einem 2% pH-Wert (CaCl2) von 3-4. In Baumärkten findet man aber auch oft Karnivoren Spezialerde von der Karnivoren-Gärtnerei Carow & Wrono. Dieses Substrat enthält vermutlich in wesentlichen Grundzügen, Weißtorf, etwas Perlite und angeblich auch Kompost der aus Karnivoren hergestellt wurde. Als Anfänger hat diese Erde den Vorteil, dass sie durchaus für viele einfache Arten gut geeignet ist und vor allem, dass man sie auch in einer handlichen Mengen bekommen kann. Der Nachteil bei diesem Substrat ist einmal der doch recht hohe Preis und vor allem neigt das Substrat gerne dazu, nach einigen Monaten Staunässe geruchlich doch recht intensiv zu werden. Für den Anfang ist dieses Substrat zwar empfehlenswert, später macht es aber durchaus Sinn, sich sein Substrate selbst zu mischen.


Weißtorf

 

Alle guten Karnivoren Substrate enthalten Weißtorf als Grundbestandteil. Bisher gibt es leider kaum andere brauchbare Alternativen, so dass auf diesen kostbaren natürlichen Rohstoff zurückgegriffen werden muss. Da die meisten Karnivoren ein nährstoffarmes und vor allem sehr saures Substrat benötigen, so ist der Weißtorf dafür optimal geeignet. Weißtorf ist von seiner Farbe her bräunlich, hat einen pH-Wert von 3-4, und er besitzt einen großen Anteil an recht groben Fasern. Er besteht im Grundsatz aus abgestorbenem und nur schwach zersetztem Sphagnum-Moos und Seggen. Es ist vor allem darauf zu achten, dass nur ungedüngten Torf verwendet werden darf. Der Weißtorf sorgt für den von den Karnivoren benötigten niedrigen pH-Wert, er macht das Substrat sauer, speichert sehr lange und sehr gut das Wasser, ist vor allem auch relativ luftdurchlässig und in seiner Struktur recht stabil. Der Weißtorf ist sehr nährstoffarm. Ist er allerdings erst einmal ausgetrocknet, so nimmt er nur noch äußerst schwierig wieder Wasser auf.

 

Schwarztorf

 

Der Schwarztorf ist stärker zersetzt als der Weißtorf. Er ist von seiner Farbe her sehr dunkel.und hat recht wenig grobe Fasern. Der pH-Wert liegt in etwa bei 5-6. Er verdichtet sich leider recht schnell, was zum Luftabschluss und zur Schimmelbildung führen kann. Auch wenn einige wenige Arten von Karnivoren darinnen ganz gut gedeihen, so ist er auf keinen Fall empfehlenswert. Sehr viele Karnivoren wachsen nur äußerst kümmerlich in ihm.

 

Der Unterschiede zwischen Weißtorf und Schwarztorf

 

Der Weißtorf ist, wie sein Name schon richtig vermuten lässt, wesentlich heller als der Schwarztorf. Er ist jedoch nicht weiß, wie man zu denken vermeint, sondern eher von hellbrauner Natur. Der farbliche Unterschied kommt dadurch zustande, dass der Weißtorf aus den oberen Schichten des Moores gewonnen wird, wo sich die Pflanzenreste noch nicht vollständig zersetzt haben. Der Schwarztorf dagegen, wird aus den tieferen Schichten abgebaut, ist damit also älter und war während seiner Entstehung einem wesentlich höherem Druck ausgesetzt. Bei ihm sind im Wesentlichen kaum noch Pflanzenreste erkennbar und er hat im Laufe der Jahre eine kräftige und dunklere Farbe angenommen. Der Weißtorf wie auch der Schwarztorf wird nur in Hochmooren abgebaut, die sich von den Niedermooren dergestalt unterscheiden, dass sich die Torfschicht, von dem darunter liegenden Grundwasser abgekoppelt hat.

 

Sand

 

Der Sand dient vor allem der Auflockerung des Substrates. Er ist sehr stabil in seiner Struktur und nimmt auch in ausgetrocknetem Zustand sehr schnell wieder Wasser auf. Er ist allerdings ein schlechter Wasserspeicher. Für Karnivoren muss unbedingt ein kalkfreier und sauberer Sand verwendet werden. Am besten benutzt man dazu ausschließlich den Quarzsand aus dem Baumarkt. Nur grober Quarzsand sorgt für ein wirklich lockeres und luftiges Substrat. Daher sollte man nur Quarzsand mit einer Körnung von ca. 1mm -1,5mm kaufen und verwenden. Das Substrat bei einer Zwiebeldrosera besteht zum Beispiel zu rund 65% - 70% aus reinem Quarzsand. In einer Mischungen aus Weißtorf und Quarzsand lassen sich fast alle Karnivoren sehr gut kultivieren. Für Drosophyllum, Roridula, teilweise aber auch für die Heliamphora und einige Nepenthes-Arten, verwendet man besser noch grob-körnigeren Sand, mit einer Körnung bis zu ca. 2,5mm.

 

Perlite


Perlite sind sehr stark erhitztes, poröses weißes Gestein. Perlite lassen sich sehr leicht mit der Hand zerbröckeln. Sie sind vor allem PH-neutral und geben keinerlei Nährstoffe ab. Sie können sehr gut Wasser speichern. In erster Linie verwendet man sie dort, wo man ein sehr lockeres Substrate bevorzugt. Auch die bekannten kleinen runden weißen Kügelchen in den hochwertigen Blumenerden, sind oftmals Perlite. AgriPerl ist eines der besten Perlite im Handel und es ist absolut schadstofffrei. Die Körnung der zu verwendenden Perlite richtet sich immer nach der Pflanzenart. Perlite sind in letzter Zeit allerdings etwas unter Verdacht geraten, nach dem Verbleib über eine längerer Zeit in einem sauren Milieu, schädliche Stoffe abzugeben. Daher sollte man auch hier Vorsicht walten lassen und genau beobachten.

 

Vermiculite


Vermiculite sind ebenfalls ein hoch erhitztes Gestein, mit einem bräunlich, glänzenden und schiefer-artigen Aussehen. Die Eigenschaften sind ähnlich dem der Perlite, nur dass Vermiculite Mineralstoffe wie z.B Magnesium abgeben.

 

Blähton

 

Blähton dient meistens in den Anlagen als Drainage-Schicht. Als Drainage-Schicht sind bei Anlagen 4 cm - 5 cm völlig ausreichend. Man kann Blähton aber auch durchaus zum Mischen grober Substrate verwenden, wie zum Beispiel in erster Linie für Nepenthes-Arten, für Darlingtonia und eventuell auch für Drosophyllum. Auch mit Seramis habe viele Karnivoren-Freunde gute Erfahrungen gemacht, auch wenn es durchaus manchmal von einigen heißt, dass Seramis schädliche Salze abgeben soll. Seramis hat allerdings den Nachteil, dass es sich im Gegensatz zum gebräuchlicheren gebrannten Blähton nach einigen Monaten oder Jahren auflöst. Persönlich plädiere ich eher zum Blähton.

 

Sphagnum-Moos

 

Das Sphagnum-Moos als Substrat-Empfehlung, findet man oft noch in der älteren Literatur. Sphagnum-Moos ist aber diesbezüglich eher als etwas heikel anzusehen, da es kleinwüchsige Pflanzen leicht überwachsen kann und es nach einiger Zeit gerne von innen zum Verschimmeln neigt.

 

Wir fassen kurz zusammen:

 

Fleischfressende Pflanzen vertragen keinesfalls die handelsübliche normale Blumenerde. Sie sollten nur in reinem Torf oder besser noch in ein spezielles Karnivoren-Substrate gepflanzt werden. Es gibt für Karnivoren viele verschiedene Substrat-Mischungen die man alle verwenden kann. Sie sollten allerdings immer einen einen pH-Wert von 2,5-3,5 aufweisen, ungedüngt und vor allem mit H2-H5, wenig bis mäßig zersetzt, gekennzeichnet sein. Am besten dazu eignet sich daher Weißtorf oder Hochmoortorf. Zur Auflockerung des Substrates dient am besten noch Quarzsand oder Perlite. In manchem Baumarkt und Garten-Center, oder oft auch in den Gärtnereien, wird Spezialerde (sie ist schon fix und fertig gemischt) für Karnivoren angeboten, was gerade für den Anfänger eine gute aber allerdings auch teure Alternative darstellt. Daher sollte man sich bei der Haltung und Pflege von mehreren Karnivoren oder bei Anlagen, schon vorher gut überlegen, ob man sich das Substrat für die Pflanzen nicht besser selber zusammenstellt.


Karnivorensubstrat:

Ein paar einfache Mischungsmöglichkeiten für Karnivoren-Substrat

Foto: Pixabay / CC0 Public Domain / User: Torfi007 / Dirk Vetter / Eckernförde/Deutschland
Foto: Pixabay / CC0 Public Domain / User: Torfi007 / Dirk Vetter / Eckernförde/Deutschland

Als Grundsubstanz sollte man immer Weisstorf (H2-H4 = Weißtorf ) verwenden. Für Karnivoren ist ein pH-Wert von 4 vollkommen in Ordnung. Dazu kann man noch etwas Blähton (nicht zu grob) oder auch gebrochenen Blähton geben. Blähton kann keine Nährstoffe binden, daher ist er nicht nur sehr gut für die Drainage geeignet, sondern er ist geradezu auch noch ein idealer Bodenauflockerer für eine nährstoffarme Erde. Auch groben Quarzsand kann man natürlich beimischen. Der Quarzsand dient hierbei auch der Auflockerung des Substrates. Er ist vor allem sehr strukturstabil und nimmt, auch wenn er mal ausgetrocknet sein sollte, sehr schnell wieder Wasser auf. Er ist allerdings ein sehr schlechter Wasserspeicher.

 

An dieser Stelle möchte ich noch ein paar weitere Vorschläge für Substratmischungen erwähnen, die man ohne weiteres sehr einfach selber zusammenmischen kann.

 

Venusfliegenfalle

(Dionaea muscipula)
ca. 80% Weißtorf , 20% Quarzsand und Perlite.

 

Sonnentau, Drosera

ca. 70% Weißtorf, 30% Quarzsand und Perlite. Bei manchen Arten können auch durchaus gut 20% Quarzsand und Perlite so wie 10% Vermiculite beigemischt werden.

 

Fettkräuter, Pinguicula

ca. 70% Weißtorf, 10% Quarzsand, 5% Perlite, 10% Vermiculite. Bei manchen Fettkräutern, z.B. den winterharten Arten, kann auch noch 5% Ton und 10% Dolomitkalk beigemischt werden. Bei tropischen Piguicula-Arten kann man Torf und Quartssand im Verhältnis 1 : 1 mischen.

 

Kannenpflanzen, Nepenthes

ca. 45% Weißtorf , 15 % Kokosfasern, 10% Perlite , 10% Vermiculite, 15% Pinienrinde und 5% Sphagnum

 

Sumpfkrüge, Heliamphora

ca. 50% Weißtorf, 10% Kokosfasern, 10% Quarzsand, 20% Perlite, 10% Sphagnum

 

Schlauchpflanzen, Sarracenia

ca. 80% Weißtorf , 10% Quarzsand , 5% Perlite und 5% Vermiculite

 

Kobralilie, Darlingtonia californica

ca. 70% Weißtorf , 10% Quarzsand , 10% Perlite und 10% Sphagnum

 

Wanzenpflanzen, Roridula

ca. 60% Weißtorf, 25% Quarzsand, 10% Perlite und 5% Vermiculite

 

Zwergkrug, Cephalotus follicularis

 ca. 70% Weißtorf, 10% Quarzsand und 20% Perlite

 

Bevor man nun allerdings seine Karnivoren in das selbstgemischte Substrat setzt, sollte dieses immer vorher sehr gut gewässert werden. Am besten stellt man dazu den Topf mit dem Substrat für ein paar Stunden in eine Wanne mit destilliertem Wasser oder mit Regenwasser.