Krankheiten & Schädlinge bei Karnivoren

Informationen zur Ersten-Hilfe für Karnivoren bei Schädlingen und Erkrankungen.

Bildquelle: Sarracenia purpurea / Pixabay / Lizenz: CC0 Public Domain / User: Stefan Schweihofer aus München
Bildquelle: Sarracenia purpurea / Pixabay / Lizenz: CC0 Public Domain / User: Stefan Schweihofer aus München

Auch Pflanzen werden ab und zu krank oder leiden unter Schädlingen. Daher ist es zuerst einmal recht gut, sich kurz die nachfolgenden Informationen durchzulesen, sozusagen als eine Art Erste Hilfe Information.

 

Wie bekämpfe ich zum Beispiel Läuse?

 

Hierbei gibt ein paar einfache Möglichkeiten. Eine der Ersten - Hilfe Möglichkeiten ist das Absammeln der Läuse, eine weitere ist es, die Pflanze eine Zeit lang unter Wasser zu tauchen, wobei man aber niemals normales Leitungswasser verwenden darf. Auch hier muss auf jeden Fall immer destilliertes Wasser verwendet werden. Entsprechende und vor allem verträgliche Spritzmittel können aber durchaus auch in Anwendung gebracht werden.

 

Welche chemischen Mittel werden denn gut vertragen?

 

Recht gute Erfahrungen wurden schon längere Zeit mit folgenden Mitteln gemacht: Pflanzenschutz-Stäbchen von Paral, bitte aber düngerfrei, die in die Erde gesteckt werden. Eine andere Möglichkeit ist auch Spruzid flüssig (NEUDORFF Spruzit®), denn dieses Mittel wird sogar von den Sonnentau - Arten und auch vom Fettkräutern recht gut vertragen. Das Zierpflanzen-Spray von Bayer, es wirkt vor allem systemisch, das heißt die Pflanzen nehmen es in sich auf und speichern eine Zeit lang die Wirkstoffe, ist recht gut geeignet und hilft gegen eine Vielzahl von Schädlingen. Dieses Mittel wird im allgemeinen auch sehr gut von den Sonnentau-Arten vertragen.

 

Wie erkenne ich eine kranke Pflanze?

 

Zuerst muss man immer herausfinden, ob die Pflanze wirklich krank sein könnte, oder ob der schlechte Zustand von ihr eventuell an den falschen Haltungsbedingungen liegt. Falsche Haltungsparameter sind bei Karnivoren der häufigste Fall. Bei einer falschen Haltung sehen die Pflanzen im Vergleich zu den richtig gehaltenen Pflanzen immer sehr schlecht aus (z.B. grün, kein Klebetropfensekret, braune und auch kraftlose Blätter usw.). Eine falsche Haltung erkennt man immer daran, dass die Pflanze anfängt, sehr langsam zu kümmern oder zu vergeilen und ihr Aussehen über Wochen hin immer schlechter wird. Bei einer Krankheit verändert sich der Zustand der Pflanze dagegen meistens recht rapide. Die gängigen Symptome sind hierbei meistens recht schlappe und schlaffe Blätter, das Wachstum der Pflanze wird eingestellt, Verfärbungen und auch Punktierungen werden sichtbar und auch ein übermäßiges Absterben der Blätter, sowie die Bildung brauner Spitzen an den neuen Blättern, kennzeichnen den desolaten Zustand der Pflanze.

 

Meine Pflanze sieht schlecht aus, was kann ich machen?

 

Wichtig ist erst einmal, dabei herauszufinden, was eigentlich mit der Pflanze los ist. Sind es die falsche Haltungsbedingungen die ich ihr angedeihen lasse oder ist es eine Krankheit? Sollte es sich um eine Krankheit handeln, so muss man zuerst einmal dringend dafür Sorge tragen, dass die Pflanze in eine für sie geeigneten Umgebung gestellt wird. Kranke Pflanzen vertragen absolut keine Trockenheit und auch keine direkte Sonne. Hierbei ist es am besten, sie an einem schattigen Fenster bei Zimmertemperatur zu platzieren und vor allem feucht zu halten. Anderen Pflanzen sollten nicht in der Nähe des Patienten stehen, um eine mögliche "Ansteckung" zu vermeiden, gerade dann, wenn es sich um einen Schädlingsbefall handelt. Des Weiteren muss vor allem genau herausgefunden werden, was die Pflanze überhaupt hat, an was sie leidet. Dazu kann man sie erst einmal mit dem bloßen Auge nach Schädlingen absuchen, eventuell auch noch einmal mit einer Lupe. Die Symptome an der erkrankten Pflanze, wie zum Beispiel die Veränderungen der Blätter usw., lassen sich meistens im „World Wide Web“ nachschlagen. Es kann auch durchaus äußerst sinnvoll und angeraten sein, die Erde der erkrankten Pflanze ein wenig aufzulockern und dann vorsichtig zwischen den Wurzeln nach Larven von Schädlingen zu suchen. Larven könnten durchaus die Wurzeln verletzen und der Pflanze somit massiven Schaden zufügen. Riecht das Substrat der Pflanze zum Beispiel faulig unter der Oberfläche, dann sollte man in jedem Fall die Pflanze auf schnellstem Wege, in frisches, Karnivoren geeignetes Substrat umtopfen. Bei einem grauen, pelzigen und meist recht filigranen Flockenbelag, handelt es sich um den Mehltau. Da man diesen Belag einfach wegwischen kann täuscht man sich gewaltig über die Gefährlichkeit dieser Erkrankung hinweg. Die von ihm befallenen Pflanzen sind in den allermeisten Fällen nicht mehr zu retten. In diesem Fall müssen sofort die gesunden Bestände von den befallenen Pflanzen getrennt werden. Prophylaktisch hilft natürlich auch eine regelmäßige Luftbewegung, denn der Mehltau ist ein Pilz, genauso wie auch der Schimmel. Gerade für die Winterquartiere der Karnivoren gilt, dass man immer regelmäßig und gut lüftet, und das die Pflanzen etwas trockener gehalten werden. Im Terrarium oder auf den Töpfen wiederum, kann sich Schimmel, sowie ein befremdlich aussehender Schleim bilden. Das sind dann zum Beispiel alles Pilzarten, die unterschiedlich gefährlich für die Pflanzen sein können. Der Schimmel als auch kleine schleimige Flecken sind meist ungefährlich, solange die Pflanzen davon nicht komplett überzogen werden. Hier hilft im Wesentlichen etwas weniger gießen und vor allem eine gute und regelmäßige Luftbewegung. Sehr gut ist es auch in einem solchen Fall, dass man die Töpfe nach draußen verbringt, sofern es warm genug ist. An der frischen Luft verschwindet der Schimmel in kürzester Zeit. In der Terrarien-Anlage kann man vorbeugend mittels PC-Lüftern eine gute Durchlüftung erzielen, oder die Lüftungsflächen der Anlagen vergrößern, wobei jedoch in beiden Fällen darauf zu achten ist, dass die notwendige Luftfeuchtigkeit die die Pflanze benötigt, erhalten bleibt.


Planarien im Wasserteil

Schnelle Hilfe bei Befall des Wasserteils mit Planarien

Strudelwurm (Dugesia tigrina) / Von Mike6271 - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1432400
Strudelwurm (Dugesia tigrina) / Von Mike6271 - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1432400

Wer kennt sie nicht, diese Planarien (Strudelwürmer), auch umgangssprachlich fälschlich Scheibenwürmer genannt. Bei den Strudelwürmern (Turbellaria), handelt es sich um eine Klasse der sogenannten Plattwürmer (Plathelminthes). Das gesamte Taxon umfasst in etwa 3000 bekannte rezente Arten, die alle in den Meeren und auch im Süßwasser freilebend vorkommen, seltener allerdings aber auch an Land. Planarien, die immer mal im Aquarium oder im Wasserteil von Aqua-Terrarien, Paludarien, Riparien oder Rivarien auftreten können, behandelt man am besten mit Panacur® oder Flubenol. Sehr wichtig ist es allerdings, dass man vor der Behandlung mit diesen Medikamenten genau die Herstellerhinweise durchlesen und beachten sollte. Im Zweifelsfall macht es auch immer Sinn, einen Tierarzt zu Rate zu ziehen, um eventuelle mögliche Kollateralschäden bei seinem Tierbestand und Pflanzenbestand zu vermeiden. Eine weitere und vor allem natürliche Möglichkeit gegen diese Plagegeister vorzugehen, ist auch der Einsatz von Knoblauch. Knoblauch in einer bestimmten Konzentration tötet die Planarien ab und lässt offenbar die üblichen Aquarien-Bewohner völlig unbeeinträchtigt. Allerdings ist die Menge der Knoblauchzehen, die man für diese Art der Behandlung benötigt, erheblich. Somit eignet sich diese Methode in der Regel nur für kleinere Becken. Über die entsprechende Geruchsbelästigung reden wir hier allerdings lieber nicht. Die Knoblauchzehen wirken am besten, wenn sie sehr gründlich gequetscht direkt in das Wasser gegeben werden. Dort müssen sie für ca. 3-4 Stunden ihre Wirkung entfalten. Man rechnet dabei mit ca. einer Knoblauchzehe pro zehn Liter Aquarienwasser. Knoblauch enthält Allicin, welches antibakteriell und antimykotisch wirkt. Anschließend sollte man einen Wasserwechsel durchführen und dieses Verfahren des öfteren wiederholen, bis die Plagegeister komplett verschwunden sind. 


Trauermücken

Trauermücken im Terrarium, in der Karnivoren-Anlage oder im offenen Flachengarten

In Bernstein eingeschlossene Trauermücke / von Astrum (Mirella Liszka) [CC BY-SA 2.5  (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], vom Wikimedia Commons
In Bernstein eingeschlossene Trauermücke / von Astrum (Mirella Liszka) [CC BY-SA 2.5 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], vom Wikimedia Commons

Die Trauermücken (Sciaridae) gehören zur Familie der Zweiflügler (Diptera). Diese Plagegeister gehören zur Unterordnung der Mücken (Nematocera). Weltweit sind zur Zeit etwa 1800 Arten beschrieben worden,wobei es sich aber voraussichtlich nur um einen kleinen Bruchteil der gesamten Artenzahl handelt. In Europa sind derzeit mehr als 600 Arten existent. Fossile Trauermücken sind vor allem aus den Bernsteinvorkommen der Kreidezeit und dem Tertiär bekannt (Einschlüsse in Bernstein). Ihren Namen verdanken die Trauermücken wegen ihrer dunklen Körperfärbung und den dunkel getrübten Flügeln. Die Imagines nehmen nur Flüssigkeiten auf und sie sterben schon in etwa fünf Tage nach dem Schlüpfen. Sie leben also nur um sich zu paaren und fortzupflanzen. Charakteristisch bei diesen Mücken ist vor allem ihr tänzelnder Flug. Die Larven der Trauermücken fressen saprophag oder mycetophag, also entweder organisches Material wie zum Beispiel Laub, Rinde und Totholz oder auch Pilze. Es gibt allerdings auch einige Arten, die in Pflanzenteilen und Wurzeln minieren. Dabei werden die feinen Haarwurzeln der Pflanzen geschädigt, so das diese sogar absterben können bzw. die Pflanzen unter Mangelerscheinungen leiden, da sie nicht mehr genug Nährstoffe aufnehmen können. Das trifft besonders bei hohem Befall zu. Die Larven zählen ansonsten zu den wichtigsten Organismen in den Wäldern, die das Laub zersetzen. Sie stellen auch ein äußerst wichtiges Glied in der Nahrungskette dar, sowohl für die Räuber, von denen sie gefressen werden, als natürlich auch für sämtliche Mikroorganismen, deren Exkremente sie fressen. Trotz all dem können Trauermücken im Terrarium zu eine Plage werden, indem ihre Larven eine Schädigung der Wurzeln durch Fraß hervorrufen. Auch große Mengen von schlüpfenden Trauermücken können die im Terrarium befindlichen Tiere stressen. Daher sollte man bei einem überhand nehmen von Trauermücken mit diesen nervigen Insekten aufräumen. Normale Insektiziden sind allerdings im Terrarium passé und dürfen nicht zur Anwendung kommen. Sie würden mit Sicherheit den Tod der regulären Bewohner verursachen. Ich verwende daher in meinem Terrarium und auch bei meinen Karnivoren meistens Nematoden. Von den Nematoden, auch Fadenwürmer oder Älchen genannt, sind ca. 20.000 verschiedene Arten bekannt. Nematoden sind triploblastische Urmünder (Protostomia). Vereinfacht gesagt, sind Nematoden im Prinzip kleine Würmer, die man mittels Gießen in den Boden des Terrariums, des Blumentopfes usw. einbringt. Sobald sie dort Fuß gefasst haben, suchen sie sofort nach den Larven der Trauermücken, die sich in der Erde verstecken. Sobald die Nematoden eine Larve gefunden haben, dringt sie in diese ein und vermehren sich in ihr. Nachdem so die Larve der Trauermücken von den Nematoden gefressen wurde, machen diese sich zu Hunderten erneut auf die Suche nach weiteren Trauermückenlarven. Der Vorteil dieser Methode ist, dass weder Tiere (Reptilien, Amphibien & andere Haustiere) noch Menschen durch den Einsatz von Nematoden zu schaden kommen können und auch die Pflanzen keine Beeinträchtigung erfahren. Bei den hier beschriebenen Nematoden -Nützlingen  handelt es sich um Steinernema feltiae.