Karnivoren - Die Haltung & Pflege

Die Haltung und Pflege von Karnivoren im Aquarium oder Terrarium

Bildquelle: Pixabay / CC0 Public Domain / User: Efraimstochter M W  /  Ulm
Bildquelle: Pixabay / CC0 Public Domain / User: Efraimstochter M W / Ulm

Karnivoren oder Insektivoren, wie die fleischfressenden Pflanzen bezeichnet werden, gehören nun einmal zu den interessantesten Vertretern der Gewächse, die Mutter Natur im Verlauf ihrer langen Geschichte hervorgebracht hat. Allgemein wird allerdings immer wieder angenommen, dass diese Pflanzen doch recht schwierig zu pflegen sind, aber dabei gibt es wirklich äußerst pflegeleichte Arten die auch für den Anfänger gut geeignet sind. Karnivoren wachsen immer sehr langsam. Sie benötigen vor allem sehr viel Licht, viel Wasser, eine recht hohe Luftfeuchte und sind ansonsten eigentlich Selbstversorger. Es gibt weltweit über 1000 verschiedene Karnivoren-Arten. Bei uns heimisch sind davon nur lediglich 15. Zu den wohl am bekanntesten Karnivoren-Arten gehören vor allem die Kannenpflanzen, der Sonnentau und die Venusfliegenfalle. Wichtig sind bei der Haltung und Pflege von Karnivoren folgende Richtlinien, absolut kein kalkhaltiges Wasser verwenden, es bringt die Pflanze in kurzer Zeit um, besser geeignet ist sauberes Regenwasser oder destilliertes Wasser. Die Pflanzen dürfen auf keinen Fall gedüngt werden, auch das ist für sie tödlich. Karnivoren schätzen eine recht hohe Luftfeuchtigkeit. Fleischfressende Pflanzen müssen auch nicht geschnitten werden, lediglich die abgestorbenen Teile werden sehr vorsichtig entfernt, aber erst dann, wenn diese vollständig abgetrocknet sind. Wird eine Pflanze einmal im Laufe der Zeit wirklich zu groß, gerade bei Exemplaren die im Terrarium gepflegt werden, so sollte man sie lieber teilen, bevor man an ihr herumschnipselt, denn das sieht zu guter Letzt recht unnatürlich aus. Der Winter kann bei manchen Arten von Karnivoren etwas schwieriger werden. Viele dieser Pflanzen bekommen dann im Wesentlichen zu wenig Licht. Das ist aber im allgemeinen nicht so schlimm, wenn sie nicht gerade gleichzeitig zu warm stehen. Wenn also der Standort der Pflanze zu dunkel sein sollte, so müssen die Temperaturen immer tüchtig abgesenkt werden. Ideal für die Überwinterung sind allerdings auch spezielle Lampen. Bei der Überwinterung dieser Pflanzen ist immer folgendes besonders anzuraten. Ein möglichst heller Standort, aber bei Temperaturen zwischen 5°C und 10°C. Je heller der Platz, um so höher können dann die Temperaturen liegen. Bei kühlen Temperaturen hört natürlich das Wachstum der Pflanzen auf. Die Blätter können während dieser Phase auch braun werden. Viele der Karnivoren aus den kühleren Zonen brauchen absolut ein kaltes Winterquartier. Sie halten eine natürliche Ruhepause ein. Schlauchpflanzen und Venusfliegenfalle benötigen dann Temperaturen von ca. 10°C bis 15°C. Die Kannenpflanze und der Wasserschlauch benötigt dann Temperaturen von ca. 20°C bis 25°C. Die Vermehrung der fleischfressenden Pflanzen erfolgt über Samen, Stecklinge oder über Teilung der Rhizome. Alle Arten sind diesbezüglich nicht wirklich einfach und daher eher nichts für den Anfänger. Man braucht dafür sehr viel Fingerspitzengefühl und muss sich täglich um die Pflanzen kümmern. Wichtig dabei ist vor allem anzumerken, dass die Samen nicht lange haltbar sind. Einige Samen müssen unbedingt vorbehandelt werden, also durch Kälte oder Hitze. Die Samen daher nur auf das Substrat legen, denn fast alle sind Lichtkeimer. Das Substrat ist ständig feucht zuhalten! Bei Blattstecklingen entweder die Stecklinge auf das frische Substrat drücken und lediglich den Blattstiel vorsichtig mit etwas Substrat bedecken. Eine weitere Möglichkeit besteht darinnen, alles in ein Glas destilliertes Wasser einzulegen und abzudecken. Die erste Möglichkeit ist aber die bessere, denn der Steckling wurzelt somit gleich im Substrat. Die frischen Pflänzchen müssen am Anfang sehr feucht gehalten werden, und werden dann langsam an den ganz normalen Wasserstand gewöhnen. Wurzelstecklinge sind auch eine weitere Möglichkeit der Vermehrung. Einfach ein Stück Wurzel sauber abtrennen und dann separat einpflanzen. Alles schön und gut feucht halten. Aber Vorsicht, nicht alle Pflanzen vertragen das. Die Rhizomteilung ist auch noch eine gute Möglichkeit. Die Pflanze einfach aus dem Topf nehmen und vorsichtig in mehrere Teile brechen. Alle Teile separat und behutsam einpflanzen. Bitte dabei sehr vorsichtig vorgehen!

 

Gestaltung: Karnivoren im Aquarium oder Terrarium

 

In einem Pflanzen-Terrarium, es kann ein Terrarium oder auch umfunktioniertes Aquarium sein, hat man eine gute Möglichkeit, tropische, subtropische und unter Umständen auch winterharte Karnivoren-Arten zu kultivieren. Vor allem, aber dienen solche Arten von Anlagen, der Kultivierung tropischer und subtropischer Karnivoren-Arten. In unseren doch recht kühlen Gefilden, finden tropische sowie subtropische Arten meist nicht gerade die geeigneten Kulturbedingungen im Bezug auf Wärme, Licht und Luftfeuchtigkeit. In einem Terrarium oder umgebauten Aquarium, können aber gerade diese Karnivoren, recht problemlos gedeihen. Allerdings sollte man sehr genau darauf achten, welche der Arten man bezüglich der Klima-Anforderungen zusammen kultivieren kann. So sollte man zum Beispiel niemals winterharte und tropische Arten zusammen in einer gemeinsamen Anlage vergesellschaften, denn dadurch wäre eine Karnivoren-Art, in ihren Kulturansprüchen im wesentlichen benachteiligt. Man sollte wirklich immer nur das zusammenhalten, was von den Haltungs- und Pflegebedingungen auch zusammen passt.

 

Die benötigten Elemente & Baumaterialien für die Anlage:

 

1. Aquarium oder Glas-Terrarium. Die Größe des Beckens richtet sich dabei natürlich immer nach dem eigenen Ermessen und Platz. Auf eine gute Durchlüftung der Anlage gerade bei den Karnivoren ist natürlich sehr zu achten, damit kein Schimmel in dem feuchten Klima entstehen kann. Ich selber verwende in meinem Karnivorenterrarium, trotz das die Abdeckung über genügend Lüftungsmöglichkeiten verfügt, noch zuzüglich zwei Membranpumpen, um eine permanente ganz leichte Luftzirkulation in der Anlage zu schaffen.

 

2. Blähton (dieser ist meistens im Baumarkt oder in einem Blumenfachgeschäfte erhältlich, ebenso auch ein wasserdurchlässiges Vlies (Das Vlies ist nicht unbedingt notwendig).

 

3. Spezielles Torf-Substrat mit Zusätzen (meist im Karnivoren-Geschäft erhältlich) oder Weißtorf.

 

4. Ein kleiner Zimmerbrunnen, Wasserfall oder Bachlauf kann auch in die Anlage eingebaut werden, muss aber nicht unbedingt sein. Diese Möglichkeiten erhöhen allerdings die Luftfeuchtigkeit und schaffen optisch schöne und interessante Reize in der Anlage.

 

5. Einen Ultraschallzerstäuber oder eine Beregnungsanlage kann man bei größeren Anlagen auch gerne einbauen. Bei kleinen und mittleren Anlagen muss das aber nicht unbedingt sein. Von Hand sprühen (Sprühflasche) ist hier in den meisten Fällen vollkommen ausreichend.

 

Beleuchtung der Anlage:

 

Damit den Karnivoren vor allem auch genügend Licht zu Gute kommt, sollte man vor allem auf eine gute und geeignete und vor allem auch ausreichende Beleuchtung Wert legen. Bei einer Anlagengröße, zum Beispiel von L= 60 cm oder 80 cm / B= 30 cm bzw. 40 cm H= 40 cm, sollten als Minimum mindestens zwei Leuchtstoffröhren installiert werden.

 

Die Anlage einrichten:

 

Das Einrichten eines Karnivoren-Beckens sollte man zu erst einmal in mehrere Schritte unterteilen, welche in den nachfolgenden Abschnitten aufgelistet sind.

 

1. Falls man einen Brunnen, Bachlauf oder gar einen kleinen Wasserfall in die Anlage integrieren möchte, so platziert man diesen als erstes an einer dafür geeigneten Stelle. In den Wasserlauf / Wasserbecken kann man auch bei größeren Anlagen durchaus einen Ultraschallzerstäuber installieren. Beides, Wasserlauf wie auch der Ultraschallzerstäuber sorgen für die erwünschte höhere Luftfeuchtigkeit.

 

2. Nun füllt man eine ca. 3 cm - 5 cm hohe Schicht Blähton auf den Grund der Anlage und verteilt diese Schicht gleichmäßig. Darüber gibt man am besten noch ein wasserdurchlässiges Vlies, damit sich der Torf bzw. das Substrat nicht mit dem Blähton vermischen kann. (Vlies muss aber nicht unbedingt sein.)

 

3. Anschließend nimmt man dann das Pflanzensubstrat und füllt auf den Blähton (auf das Vlies) eine ca. 10 cm -15 cm dicke Schicht auf. Das Substrat sollte vorher so gewässert oder befeuchtet werden, damit das Substrat leicht feucht ist. Der Wasserstand im Terrarium sollte in etwa 1 cm hoch sein. Dies kann man recht leicht an Hand des aufgefüllten Blähtons kontrollieren.

 

4. Nach dem das Substrat gut mit Wasser durchfeuchtet ist, kann man mit der Bepflanzung beginnen. (Es sollte immer Regenwasser oder destilliertes Wasser verwendet werden, niemals Leitungswasser verwenden, denn dieses enthält Kalk.)

 

Einige Tipps für die Optik:

  • Mit kleineren Natursteinen oder Aquarien-Wurzeln kann man die Anlage zusätzlich noch etwas dekorieren.

  • Wenn man hinter die Rückwand der Anlage einen Spiegel oder auch eine Spiegelfolie stellt, so wirkt die Anlage optisch wesentlich größer.

Ein paar nützliche Hinweise noch:

  • Immer darauf achten, dass die Anlage wasserdicht ist.

  • Den Deckel der Anlage immer leicht geöffnet lassen, oder bauen Sie Lüftungsfelder ein.

  • An einer kleinen Stelle füllt man die Anlage rein nur mit Blähton auf. Diese Stelle wird später zum Gießen benutzt. (Auch ein Plastik-Rohr was in die Blähton-Schicht hineinragt, kann als Gießhilfe verwendet werden.

  • Zur Steuerung der Beleuchtung verwendet man am besten eine Zeitschaltuhr. Die Beleuchtungsdauer richtet sich nach Herkunft der Pflanzen. (ca. 10h – 12h täglich)

  • Spätestens alle 2 Jahre sollte das Pflanzensubstrat gewechselt werden.


Topf-Kulturen in der Anlage:

Ein paar kleine Tipps und Tricks beim integrieren von Töpfen in der Karnivoren-Anlage

Kanne Nepenthes X 'Bloody Mary'. Elternarten: N. ampullaria und N. ventricosa. © Th. Kreuter
Kanne Nepenthes X 'Bloody Mary'. Elternarten: N. ampullaria und N. ventricosa. © Th. Kreuter

Will man komplette Töpfe in der Anlage einsetzen, so nimmt man zuerst einmal Töpfe der gleichen Größe als Platzhalter. Die Töpfe stellt man erst einmal auf den Blähton (Drainageschicht) und füllt die zwischen den Töpfen liegenden Zwischenräume gut mit Weißtorf auf. Anschließend befeuchtet man den Torf und drückt diesen immer wieder fest an. Dann tauscht man die leeren Töpfe gegen die bepflanzten Töpfe aus. Um ein schönes und ebenmäßiges Bild zu erzielen, wird noch ein klein wenig Weißtorfsubstrat über das Substrat in den Töpfen gegeben, so das alle Topfränder nicht mehr zu sehen sind. Anschließend kann man auch noch zur optischen Aufwertung des gesamten Bildes etwas Sphagnum Moos einpflanzen. Dies geschieht am Besten, in dem man das Sphagnum Moos gut an die Weißtorfflächen andrückt. An ein paar anderen Stellen darf man auch etwas Pinien - Rinde verteilen, welches das Gesamtbild noch etwas hebt.  Will man in der Anlage verschiedene Ebenen erzeugen, so kann man diese Ebenen mit Aquarien-Wurzeln (Moorkienwurzeln oder Savannenholz) oder Steinen (keine kalkhaltigen Steine) abgrenzen, und dann den dortigen Bereich etwas höher aufschütten. Diese Bereiche verwendet man vor allem für die Pflanzen, die es nicht ganz so feucht brauchen oder haben wollen.


Ein kleiner Tipp noch am Rande:

Eine schöne Dynamik bei der Einrichtung der Karnivoren Anlage erzeugt man immer mit Diagonalen. Zum Thema Abdeckung bei der Verwendung eines Aquariums, lesen Sie bitte den Menüpunkt: Zimmerkultur & Pflanzenvitrine. Wenn Sie eine kleine Miniaturanlage anlegen wollen, dann lesen Sie bitte mehr zu diesem Thema unter dem Menüpunkt: Der Flaschengarten