Karnivoren-Arten

Arten von Karnivoren die sehr gut zu halten und zu pflegen sind

Bildquelle: Pinguicula alpina / Pixabay / CC0 Public Domain / LittleThought U Hd aus München
Bildquelle: Pinguicula alpina / Pixabay / CC0 Public Domain / LittleThought U Hd aus München

 Es gibt eine sehr große Anzahl von Karnivoren aus aller Herren Ländern, die man zu Hause sehr gut und erfolgreich pflegen kann. Die Haltung und Pflege der einzelnen Arten als auch der einzelnen Gattungen hier aufzulisten und zu erläutern, ist fast schier unmöglich. Daher macht es an dieser Stelle eher einen wesentlich besseren Sinn, die entsprechende „Karnivoren-Datenbank des gesamten deutschsprachigen Netzes“ zum Nachschlagen, als Link auf dieser Seite zu integrieren. Somit hat man alle Daten, die für die Haltung und Pflege von Karnivoren benötigt werden schnell und einfach zur Hand. Falls Sie irgendwelche Arten pflegen sollten, die noch nicht in der Datenbank erfasst sind, so würde ich Sie bitten, einen kurzen und detaillierten Bericht über ihren Pflegling zu verfassen und diesen an die Betreiber der Datenbank zu senden, damit im Laufe der Zeit alle Arten von Karnivoren gelistet werden können, und somit auch anderen Liebhabern der Zugriffe zu den Haltungs- und Pflege-Parametern zur Verfügung steht.

 

Weiterleitung zur Website: fleischfressendepflanzen.de... die Karnivoren-Datenbank im deutschsprachigen Web.

 

Zur Datenbank: Gattungen der Karnivoren

 

Zur Datenbank: Arten der Karnivoren

 

Karnivoren: Datenbank: Abfrage-Formular

 

Erklärung zum Wort "Karnivoren" und deren Kriterium

Das Wort carnivor bedeutet nichts weiter als "fleischfressend" und stammt von den beiden lateinischen Wörtern "caro" (Fleisch) und "devorare" (verschlingen) ab. Es handelt sich dabei also um eine Wortzusammensetzung. Die mit "K" geschriebene, auch sehr gängige Schreibweise, ist lediglich die eingedeutschte Schreibweise. Die andere Bezeichnung, "Insektivoren", stammt aus der Feder von Charles Darwin. (* 12. Februar 1809 in Shrewsbury; † 19. April 1882 in Downe).

 

Welche wichtigen Kriterien müssen generell überhaupt erfüllt sein, damit man von Fleischfressenden Pflanzen (synonym: "Karnivoren", "Carnivoren" oder "Insektivoren") sprechen kann? In Juniper & al. (1989) sind darüber unter anderem folgende sehr wichtig Informationen zur Definition zu finden:

  1. Die Pflanze muss die Beute anlocken!

  2. Die Pflanze muss die Beute festhalten!

  3. Die Pflanze muss die Beute töten!

  4. Die Pflanze muss die Beute selbst verdauen!

  5. Die Pflanze muss die nützlichen Bestandteile der Beute für das weitere Wachstum aufnehmen!

Das sind grob zusammengefasst, die wichtigsten Definitionen bzw. Kriterien, die eine fleischfressende Pflanze ausmachen.

 

Einordnung der Karnivoren

 

Es gibt insgesamt acht große Karnivoren-Familien, in die alle, derzeit uns bekannten Arten der verschiedenen Karnivoren, eingeordnet werden können:

 

Bromeliaceae: 3 Arten (sind eventuell karnivor)*

Byblidaceae: ca. 2 Arten

Cephalotaceae: 1 Art

Dioncophyllaceae: 1 Art

Droseraceae: ca. 145 Arten

Lentibulariaceae: ca. 304 Arten**

Nepenthaceae: ca. 76 Arten

Sarraceniaceae: 15 Arten

 

Die Unterscheidung von Pflanzen, zwischen karnivor und nicht karnivor, ist bei einigen Pflanzenarten aber nicht immer gerade leicht, da zwar durchaus Tiere von ihnen gefangen werden, aber keinerlei Verdauungsenzyme Seitens der Pflanze gebildet werden. Daher sollen angeblich neuere Forschungen belegt haben, dass auch einige Bromelien-Arten, wie etwa zum Beispiel Brocchinia, Verdauungsenzyme produzieren und sie somit voraussichtlich zu den Karnivoren gezählt werden müssten. Brocchinia ist die einzige Pflanzengattung der Unterfamilie Brocchinioideae innerhalb der großen Familie der Bromeliengewächse. Die etwa insgesamt 20 zur Zeit bekannten Arten dieser Pflanzengattung sind im nördlichen Südamerika verbreitet. Brocchinia-Arten befinden sich nur recht selten in Kultur, am verbreitetsten und bekanntesten ist die Brocchinia reducta.


Brocchinia:*

 

Brocchinia reducta:

Als einzige Bromelienart ist Brocchinia reducta eine karnivore Pflanze. Sie ist endemisch und lebt südlich des Orinoko in der Gran Sabana auf den Gipfeln einiger Tepuis im südlichen Venezuela und auch im nordwestlichen Guyana. 2005 wies Bartek Plachno von der Universität Krakau in Polen Phosphatase-Aktivität in den Verdauungsdrüsen von Brocchinia reducta nach, wodurch man diese Art als karnivor im strengen Sinne ansehen muss.

 

Brocchinia hechtioides:

Brocchinia hechtioides gilt derzeit noch als eine Präkarnivorie. Diese Art ist in Venezuela und Guyana heimisch (Tepuy Roraima).

 

Brocchinia tatei:

Brocchinia tatei ist auch eine Spezies in der Gattung Brocchinia . Auch diese Art ist in Venezuela und Guyana heimisch (Tepuy Roraima). Auch sie gilt derzeit noch als präkarnivor.


Utricularia sandersonii im Karnivoren-Terrarium / Foto: © Thomas Kreuter
Utricularia sandersonii im Karnivoren-Terrarium / Foto: © Thomas Kreuter

Wasserschlauchgewächse (Lentibulariaceae)**

Wasserschläuche sind mit Ausnahme von trockenen oder dürren Gebieten, der Antarktis und der gesamten ozeanischen Inselwelt weltweit verbreitet. Der Verbreitungsschwerpunkt dieser Pflanzen liegt aber überwiegend in Südamerika, gefolgt vom australischen Kontinent. Durch ihre Karnivorie sind diese Pflanzen allerdings weitgehend unabhängig vom Vorhandensein von Nährstoffen im Boden und sie bevorzugen daher sehr nährstoffarme, halbschattige bis hin zu vollsonnigen Standorten. Sie leben zumeist in sauren Verhältnissen. Einige Arten sind zwar durchaus kalktolerant, werden aber an närstoffreicheren Standorten meistens massiv durch andere Vegetation verdrängt. Alle Arten dieser Gattung haben ihren Lebensraum zumindest während der vegetativen Phase im oder zumindest am oder in der Nähe vom Wasser. Die Mehrzahl dieser Pflanzen, also ca. 60%, lebt terrestrisch, sprich auf nassen, aber seltener, auf sumpfigen Böden, rund 15% sind aquatisch wie zum Besipiel Utricularia graminifolia (Grasblättriger Wasserschlauch), teils verankert, teils auch nicht kontinuierlich. Die verbleibenden 25% dieser Pflanzen sind als sogenannte Rheophyten rein auf sehr schnell fließende Gewässer (z.B. Utricularia rigida) spezialisiert , besiedeln als Lithophyten (Felspflanzen) glatte Untergründe oder leben auch durchaus epiphytisch, also als Aufsitzerpflanzen auf oder in anderen Pflanzen, zum Besipiel wie in Moosen, an rauen Baumrinden oder sogar auch in den Trichtern von Bromelien, wie z.B. Utricularia humboldtii, die sich auch in den Trichtern von Brocchinia reducta, einer anderen Karnivore, findet. Link: Submerse & emerse Karnivoren.


Verbreitungsgebiete der Fleischfressenden Pflanzen:

 

Die fleischfressenden Pflanzen oder auch Insektivoren genannt, haben auf allen Kontinenten, die Ausnahme bildet hierbei nur die Antarktis, die unterschiedlichsten nährstoffarmen und extremen Standorte erobert. Dazu zählen vor allem die Hochmoore, Quellsümpfe, auch Sandflächen, feuchte Felsen, Bäume aber auch Wasserflächen. Die Wurzeln der meisten Karnivoren, haben die Fähigkeit der Nährstoffaufnahme, keinesfalls verloren. Der Insektenfang ist daher nur als eine zusätzliche Nahrungsquelle anzusehen. Häufig werden allerdings auch Standorte besiedelt, die durch Feuer oder Bodenerosion freigelegt wurden. Gerade auf solchen Flächen haben die Karnivoren/Insektivoren, durch ihre zusätzliche Nährstoffaufnahme auch einen wesentlichen zeitlichen Vorsprung gegenüber vielen anderen höheren Pflanzen.

 

Europa:

 

In Europa befinden sich leider nur noch sehr wenige biologisch intakte Hochmoor-Gebiete. Diese konzentrieren sich vor allem auf Gebiete in Skandinavien oder auch auf Gebiete im Baltikum. Ein äußerst wichtiger Bestandteil der Hochmoore ist vor allem das Sphagnum-Moos, welches die Feuchtigkeit wie ein Schwamm aufsaugt und auch speichert. Nur sehr wenige Pflanzenarten können in einer solch sauren und extrem nährstoffarmen Umgebung dauerhaft gedeihen und existieren. Das ist vor allem der Lebensraum der drei heimischen Sonnentau-Arten. In einigen Seen allerdings, ist noch der Wasserschlauch heimisch. Weiter verbreitet ist allerdings noch Utricularia australis und Utricularia vulgaris, während die anderen vier bekannten Arten schon fast als ausgestorben gelten können. In den gebirgigen Regionen Europas sind vor allem die Fettkraut-Arten (Pinguicula) heimisch. Sie besiedeln vor allem die Hangquellsümpfe und auch senkrechte feuchte Felswände bis in Höhen von ca. 2000 m. In dem doch oft recht kurzen Sommer, treiben diese Pflanzen sehr schnell aus den Winterknospen aus und blühen meist schon sehr zeitig im Juni.

 

USA:

 

Im Osten der USA, ist die bekannteste Fleischfressende Pflanze, die Venusfliegenfalle, zu Hause. Gerade durch ein gewerbliches Absammeln in den siebziger Jahren, ist diese Pflanzen stark dezimiert worden. Heute wird sie mit viel Aufwand künstlich vermehrt, wobei sich vor allem die sterile Vermehrung im Labor durchgesetzt hat. Auch viele der umfangreichen Bestände der Schlauchpflanzen sind gerade durch den Eingriff des Menschen, wie zum Beispiel durch die Aufforstung größerer Gebiete, stark dezimiert worden. Gerade Sarracenia ist auf eine offene Vegetation und somit auf die regelmäßigen Brände in ihren Heimatgebieten angewiesen. Die dicken Wurzelstöcke der Pflanze überstehen die Brände sehr gut und treiben im Frühjahr und Herbst wieder aus.

 

Venezuela:

 

Gerade die Tafelberge im Süden Venezuelas sind eine atemberaubend Welt, die bisher nur recht wenig erforscht wurden. Auf den geheimnisumwitterten Tepuis finden sich zahlreiche Karnivoren-Gattungen und jedes Jahr werden noch weitere Arten entdeckt. Auf den bis zu ca. 3000 Meter hohen Sandsteinplateaus, werden die Humus Ansammlungen von Wind und Regen in die Tiefe gerissen. Auf den somit zurückbleibenden blanken Felsen, bilden sich kleinere Pflanzengemeinschaften, die sich untereinander Halt geben. Das ist vor allem die Heimat der seltenen Heliamphora. Durch die vollkommene klimatische Isolation der einzelnen Berge, beherbergt so fast jeder Tepui seine eigene Art. Etwa 2000 Meter tiefer, in der vom Menschen geschaffenen Gran Sabanna, gibt es wiederum eines der wirklich größten Vorkommen verschiedenster Utricularia-Arten, die hier auf reinem Sand ihren Überlebenskampf austragen.

 

Mexiko:

 

Mexiko ist vor allem das Hauptverbreitungsgebiet der Fettkraut-Arten (Pinguicula). Diese Pflanzen wachsen meist in Höhenlagen von über 1800 Metern auf den Nordseiten der dortigen weißen Gipshügel. Im Sommer gibt es hier reichlich Wasser, währenddessen die Pflanzen den dortigen trockenen Winter mit Hilfe ihrer Wasser speichernden behaarten Blätter überstehen. Der Morgentau bleibt in den Blatthaaren der Pflanzen hängen und ist somit für viele Wochen oft nur die einzige Möglichkeit der Wasserversorgung. Einige der Fettkraut-Arten blühen nur aus wirklich winzigen Winterrosetten, so das oftmals nur die Blüten sichtbar sind. Es werden vielfach auch extreme alpine Standorte besiedelt.

 

Australien:

 

Gerade die immer periodischen trockenen Landschaften im Westen des australischen Kontinents, beherbergen eine sehr große Artenvielfalt von Drosera-Arten und Utricularia-Arten. Mit sehr vielen unterschiedlichen Überlebensstrategien werden gerade die trockenen Sommer und häufigen Feuerbrände in dieser Gegend überstanden. Es gibt vor allem zahlreiche Knollendrosera-Arten, die den heißen Sommer als Knolle in der Erde überdauern und deren Samen erst nach den oftmals tobenden Feuerbränden keimen. Die Zwergdrosera-Arten bilden wiederum im Winter ihre Brutschuppen aus, mit denen sie recht schnell und zügig die kahle Flächen besiedeln können. Im Norden Australiens gibt es auch einige Drosera-Arten, die sich durch einen dichten haarigen Pelz vor der sengenden Sonne zu schützen wissen.

 

Südost-Asien:

 

Das wesentliche Hauptverbreitungsgebiet der Nepenthes-Arten liegt vor allem auf Sumatra und Borneo. Hier haben sich die Pflanzen nahezu so gut wie alle Vegetationszonen erobert. Einige Arten wachsen in Sandböden auf dem Niveau der Meereshöhe oder auch in Moorgebieten, während einige der Hochlandarten die kahlen felsigen Berggipfel in über 3000 Metern Höhe besiedeln. Die Hauptverbreitungszone der Nepenthes-Arten ist jedoch der Moos-Wald oder Nebelwald in ca. 2000 Metern Höhe. Hier bilden vor allem wassergetränkte Moose sehr dichte Polster auf den Bäumen. Gerade am Nachmittag hängen hier dichte Nebelschwaden in den niedrigen Wäldern und durchfeuchten so regelmäßig die Vegetation.

 

Afrika:

 

Gerade die Kapregion Südafrikas beherbergt sehr viele botanische Schätze, aus dem Bereich der Karnivoren. Hier wächst zum Beispiel der größte Sonnentau der Welt, sowie auch die stattliche Taupflanze (Roridula), die in einer sehr interessanten Symbiose mit einer Wanzen-Art lebt. Auch hier haben sich sehr viele der Arten mit der Sommertrockenheit und den Buschbränden arrangiert, indem sie dicke tief wachsende Speicherwurzeln ausgebildet haben. Schon nach etwa vier bis acht Jahren ist die Vegetation dergestalt so ausgeprägt, dass vielen der dortigen Drosera-Arten der Tod durch massiven Lichtmangel droht, wenn sich kein Buschbrand entwickeln sollte.